Konzept Stadttaubenmanagement

 

Das Problem

 

Tauben sind nicht vom Aussterben bedroht. Ihr Gefieder ist nicht farbenprächtig und ihr Gesang nicht sehr melodisch. Sie fliegen und laufen überall in unseren Städten herum, machen Schmutz, sind im Weg und sie leiden und sterben, still und zurückgezogen – meist unbeachtet und unbemerkt. In unseren Städten sind sie für die meisten Menschen selbstverständlich, für viele lästig, für manche verhasst. Sie werden im besten Fall geduldet, meistens vertrieben, gejagt, gequält, verleumdet und missachtet - und sie haben so gut wie keine Lobby. Dabei sind sie seit Jahrtausenden treue Gefährten der Menschen, in allen alten Kulturen rund um die Erde wurden sie - mit Recht - geschätzt und verehrt.


Unsere Stadttauben stammen von den Felsentauben ab. Sie sind von Natur aus friedlich, genügsam, leistungsfähig und treu – genau deswegen wurden sie seit Jahrtausenden gezüchtet und benutzt: als Fleischlieferant, als Briefträger, als Sportartikel, als Zuchtobjekt, als Düngerlieferant.

Sie verzaubern uns bei Shows und Hochzeiten und wer sich die Mühe macht, einmal genau hinzusehen (z.B. ein turtelndes Taubenpaar zu beobachten oder einen fliegenden Taubenschwarm bei Sonnenschein), der wird die Wärme ums Herz und den Respekt für diese Tiere fühlen, wird verstehen wie unsere Tauben zum Symbol des Heiligen Geistes wurden, warum sie bis heute für Frieden, reine Liebe und Treue stehen.

Was heutzutage unsere Städte bevölkert sind die Nachkommen dieser seit Jahrtausenden domestizierten Felsentauben. Viele ihrer Eigenarten wurden ihnen angezüchtet, unter anderem ihr unermüdliches Brutverhalten. Man wollte möglichst viele leckere, zarte Taubenbraten, viele Eier, viel Dünger, viele kleine Postboten – und das unabhängig von Jahreszeiten möglichst rund ums Jahr. Mit diesen "Zuchterfolgen" haben wir nun, wo Tauben keine wirtschaftliche und soziale Bedeutung mehr haben, zu kämpfen. Wir Menschen aber sind seit Jahrhunderten die Verursacher eben dieser Eigenschaften - und das macht uns verantwortlich.

Die Städte überboten sich aber seit Jahren im Erfinden von Vertreibungs- und Ausrottungsmethoden. Es wurde viel Geld in die Hand genommen um Gebäude und Brücken mittels Spikes und Netzen zu vergrämen, um sie vor Taubendreck zu schützen.

Es half nicht. Die Tiere suchten sich ganz einfach neue Plätze.

Es wurden Raubvögel zur Bejagung eingesetzt. Die Tauben flogen davon und kamen zurück, wenn die Luft wieder rein war.

Es wurden Fütterungsverbote erlassen. Das führte, außer zu einer weiteren Verelendung der Tiere dazu, das mitleidige Menschen nachts, in aller Heimlichkeit Futter ausbrachten und sich seither verfolgt und gedemütigt fühlen und Angst vor Strafe haben müssen.

So viele Tauben man auch verbotenerweise durch Vergiften und andere unappetitliche Methoden „entsorgte“. Es kamen immer wieder Neue.

Dabei ist des Rätsels Lösung denkbar einfach:

Sie brauchen ein Zuhause!

 

Die Lösung

 

Teil 1

 

Der Plan ist, eine ausreichende Anzahl von Taubenschlägen an Standorten zu bauen, die stark von Tauben frequentiert werden.

In diesen Taubenschlägen werden die Tiere mit artgerechtem Futter (Körnermischung) versorgt. Da sie von Natur aus eher bequem sind, ziehen sie sich gern hierhin zurück, verbringen so ca. 80 % des Tages hier, paaren sich und brüten auf ihren Eiern. Diese Eier werden regelmäßig, ohne dass die Tiere es bemerken, gegen Attrappen (Gips oder Plastik) ausgetauscht. Durch diese gesteuerte Geburtenkontrolle stoppt die Population.

Der Kot (pro Tier 10 kg im Jahr) wird nicht mehr auf den Straßen und Gebäuden abgesetzt. Er kann im Schlag entsorgt werden. Dieser wird durch den Betreuer regelmäßig gesäubert und kontrolliert. Der bisher große Ärger mit der Verschmutzung durch Tauben kann den Stadtverwaltungen zukünftig erspart bleiben.

Durch artgerechtes Futter, sauberes Wasser und wenn nötig medizinische Hilfe und Pflege entsteht eine kleine, gesunde Population.

Das bedeutet auch: Es geht von den Tauben keine Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung aus. In vielen anerkannten Studien wurde dies bewiesen.

In vielen deutschen Städten wurde bereits die hier beschriebene Herangehensweise praktiziert. Den größten Erfolg konnten allerdings nur die Städte verzeichnen, die konsequent und professionell vorgingen und im Laufe der Zeit flächendeckendagierten. Ziel muss sein:

keine hungrigen Tauben auf der Straße
keine beschmutzen Gebäude und Autos
keine hässlichen Vergrämungen, die das Stadtbild beeinträchtigen

 

Teil 2

 

Ein beliebter Aufenthaltsort für Tauben sind auch Brücken und Unterführungen. Wenn in deren Nähe keine Möglichkeiten für einen Schlagbau gegeben sind, kann man alternativ verfahren, indem man die Brücken regelmäßig betreut. Man füttert täglich artgerecht, tauscht zweimal im Monat die Eier aus und kümmert sich um kranke und verletzte Tiere.

Der Aufwand zeigt auch hier beeindruckende Wirkung.

Durch die artgerechte Fütterung wird auch hier die Verkotung eingeschränkt, weil die Vögel nicht mehr den nassen Durchfallkot produzieren, der sich schlecht durch die Straßenreinigung entfernen lässt. Auch gilt hier natürlich genauso die Verringerung der Population.

 

Teil 3

 

Darüber hinaus benötigt man noch kontrollierte Futterplätze. Sie dienen als Leitungsinstrument. Hier dürfen ebenfalls nur autorisierte Personen füttern. Man kann hier keine Eier austauschen. Deshalb muss man kurz- bis mittelfristig die Tiere einfangen und in die vorhandenen Schläge umsiedeln. Dort werden sie in einer abgetrennten Abteilung gehalten, die sie für einige Wochen nicht verlassen können. Man wartet bis sie sich verpaart haben und brüten.

Dann können sie, wie alle anderen, den Schlag nach Wunsch zu ihren schön anzusehenden Rundflügen verlassen um ihr Zuhause immer wieder aufzusuchen. Mit dieser Vorgehensweise ist dem Tierschutz genüge getan, ebenso den Interessen von Städten und Gemeinden.

Bei flächendeckender Umsetzung in NRW wird nachhaltig das so genannte „Taubenproblem“ von der Tagesordnung verschwinden.

 

Der Weg

 

Der Verein Düsseldorfer Stadttiere e.V arbeitet seit Bestehen (2008) in Düsseldorf, zusammen mit dem Amt für Verbraucherschutz und dem Umweltdezernat.

Es existieren dort bereits fünf aktive Schläge und vier betreute Brücken. Drei neue Schläge sind bereits geplant und werden noch in diesem Jahr in Betrieb genommen. Eine Stadt in der Größenordnung Düsseldorfs benötigt bei flächendeckender Kontrolle mindestens 20 bis 25 Schläge.

Im Durchschnitt wurden bisher 3.800 Eier pro Jahr ausgetauscht und einige Brennpunkte sind schon bald entschärft. Im Laufe unserer Arbeit sind natürlich unsere Kenntnisse und Erfahrungen gewachsen, so dass nun nachzuweisen ist :

„wir wissen, wie`s geht!“

 

Mit rund zwanzig Schlägen kann man hier kalkuliert nach fünf Jahren das „Taubenproblem“ von der Tagesordnung herunter nehmen. Die Einsicht der Notwendigkeit eines solchen Projektes ist durchaus bei vielen Verwaltungen vorhanden. Die zügige Durchführung muss dauerhaft finanziert werden. Der Verein ist in der Lage an dieser Stelle verschiedene Möglichkeiten aufzuzeigen.

Der Verein plant zusammen mit Städten und Kommunen. Im ersten Schritt wird die Situation analysiert und praktikable Lösungsvorschläge unterbreitet. Dadurch können die Kosten für Vergrämungen, Vertreibung durch Raubvögel sowie Reinigung und Instandsetzung von verschmutzten Gebäuden erheblich reduziert werden. Ein stringentes, erprobtes Kostenmanagement sichert die Durchführung. Es muss festgelegt werden, welche Beträge hiervon doch lieber zur Beendigung als zur Bearbeitung des Problems eingesetzt werden sollen.

Darüber hinaus haben die Städte mit der Hilfe von Spendenaktionen über die Sparkassenorganisationen auch noch die Möglichkeit langfristig die Planung sicher zu stellen.

Nur wenn alle Wege (Land, Städte, Gemeinden sowie Spenden) ausgeschöpft werden, kann das „Taubenproblem“ in NRW flächendeckend gelöst werden.

„ Gemeinsam für saubere Städte durch das „Stadttaubenmanagement“