Wir planen einen neuen Stadttierhof in Düsseldorf
Der „neue“ Stadttierhof sollte vier Aspekte vereinigen:
1. Auffangstation für Hotline-Tiere
Der Verein ist angetreten, die Lücken im lokalen urbanen Tierschutz zu schließen und der Entwicklung der Urbanisierung von immer mehr Wildtierarten Rechnung zu tragen.
Die Hotline hat ein kleines Netzwerk entwickelt, für eine Reihe von Tierarten bestehen Kooperationen mit Spezialisten/Innen. Diese Kooperationen beinhalten den Austausch der Notfälle gemäß den Schwerpunkten einerseits, aber auch (mehr oder weniger) beidseitige Hilfe bei Grenz- oder Problemfällen, z.B. von unserer Seite Hilfe bei der Bergung oder bei schwieriger Unterbringung – aktuelle Beispiele: 5 Jungschwäne in einer Pflegestelle, die ein Zuhause suchen, 2 junge ausgesetzte Pekingenten die eingefangen, behandelt und vermittelt werden müssen, Igelauswilderung divers, streunende Katzen divers...etc.
Für die Stadttierarten Tauben, Wildtauben und Rabenvögel gibt es keine anderen Lösungen im Raum Düsseldorf, es wurden deshalb primär für diese Tiere schon einmal Projekte ins Leben gerufen. Das heißt, dass auf dem neuen Hof Voraussetzungen geschaffen werden müssen, um Jungtiere gut aufziehen zu können, verletzte Tiere optimal auszuheilen, kranke Tiere gesund zu pflegen und wenigstens eine kleine Zahl behinderter Tiere dauerhaft aufzunehmen. Es sollte dort eine Logistik geschaffen werden, die einen reibungslosen und sinnvollen Hotline-Betrieb ermöglicht.
Auch für andere Stadttierarten gibt es im Umkreis keine Lösungen: Fledermäuse, Füchse, Waschbären, Marder, ausgesetzte Schildkröten, Eichhörnchen, Igel, Kaninchen, streunende Katzen, behinderte Wasservögel, behinderte Sing- bzw. Wildvögel. Naturschützer sind Artenschützer und keine Tierschützer im eigentlichen Sinn, das heißt für nicht gefährdete Spezies oder behinderte Tiere ist in diesen Konzepten kein Platz.
2. Begegnungsstätte für Mensch und Tier
Die Auseinandersetzung mit urbanen Wildtieren ist kompliziert – sie haben sich aus verschiedenen Gründen die Stadt als Lebensraum erobert und sind entsprechend von vielen ihrer ursprünglichen Eigenschaften und Verhaltensmuster abgewichen. Prominentes Beispiel: Füchse, die ihre angeborene Scheu verlieren und sich wie selbstverständlich in kultivierten Räumen wie Gärten und Parks und sogar im Straßenverkehr zurechtfinden.
Die Stadt und die daraus resultierenden neuen Symbiosen setzen alte Instinkte außer Gefecht, die Spezies entwickeln sich weiter und passen sich den neuen Gegebenheiten an. Auch die Weiterentwicklung und Flexibilität der urbanen Menschen ist diesbezüglich gefragt, die Entwicklung der Stadtnatur stellt uns vor neue Möglichkeiten, Verantwortungen und Notwendigkeiten. Umdenken ist angesagt für Tiere wie auch für Menschen.
Neben dem aktiven Tierschutz sollte auch die Erweiterung des Bewusstseins und der Verantwortlichkeit Rechnung getragen werden, das heißt die Haltung von einigen behinderten oder in Bedrängnis geratenen Stadttieren kann zu einem Mittel werden, die Augen und die Herzen der Menschen für diese Arten, ihre Existenzberechtigung und ihre Bedürfnisse zu öffnen.
Der Hof sollte also einigen vielleicht noch nicht geplanten Exemplaren eine neue Heimat bieten können und eine Begegnungsstätte sein können für Stadtmensch mit Stadttier.
3. Andere Sichtweise auf Nutztiere
Der neue Hof soll den alten Hof ablösen und darüber hinaus eine repräsentative Adresse für den gesamten Verein bieten. Das bedeutet die Einrichtung einer Postadresse, einer Telefonanlage und eines Büros für den Verein und artgerechte Lebensräume für unsere Tiere, die nicht alle Stadttiere sind: die Schafe, Ziegen und Hühner. Auch sie kann man als Botschafter sehen für eine andere Sichtweise auf Nutztiere, für viele Kinder ist ein Huhn ein unbekanntes Wesen und ein Ei nichts anderes als ein Nahrungsmittel. Für einen bewussten Umgang mit Nahrungsmitteln sollten die Ursprünge ins Bewusstsein gerückt werden.
4. Elemente des Hofes
Zustand, Lage und Beschaffenheit des Objektes bergen viele Probleme, aber auch viele Chancen. Bei der Sanierung und dem Ausbau sollten Aspekte wie natürliche
Baustoffe, Energieeffizienz, Rücksicht auf Wildtiere (Einflüge für Fledermäuse, Mauerseglerbretter, Spatzenkoloniefelder u.v.m.) und eine naturnahe und tierfreundliche Begrünung berücksichtigt und demonstriert werden – Aspekte, die bei jedem Neubau und jeder Sanierung alter Bausubstanzen berücksichtigt werden sollten.
Ein illustratives Beispiel: Die Fassade eines Hauses aus den 60er Jahren wurde für bessere Wärmeisolierung und entsprechend subventioniert mit herkömmlichen Dämmplatten verkleidet. Dabei wurde der gewohnte Brutplatz eines Spechtes im mittleren Fassadenbereich zerstört. Der Specht hielt an seinen Gewohnheiten fest, zerstörte den Fassadenputz, klopfte eine Höhlung in die weichen Dämmplatten und errichtete darin seine Bruthöhle. Der Feuchtigkeitsschutz wurde dadurch gestört, Regenwasser setzte sich hinter den Dämmplatten fest. Es entstand ein nicht unerheblicher Schaden. Die Eigentümer zerstörten das Nest und ersetzten die Dämmplatte, der Specht wiederholte seine Bemühungen. Schließlich hatte der Eigentümer einen guten Berater, er integrierte in die erneute Sanierung ein Höhlenelement, das von dem Specht gut angenommen wurde. Er verursachte keine weiteren Schäden und konnte seinen positiven Eigenschaften die Ungezieferbekämpfung betreffend nachgehen.
Ein anderes Beispiel: der überwiegende Teil der Fläche unserer Stadt ist bebaut und bietet keinen Platz für Bäume. Würden Fassaden und Flachdächer sinnvoll begrünt, wäre die Luft in unseren Städten um einiges besser – von den Wärme dämmenden Eigenschaften von Fassaden- und Dachbegrünungen einmal abgesehen.
Für solche Lösungen gibt es viele gute Beispiele, sie sollten publiziert und gefördert werden für ein gutes Leben und ein gutes Zusammenleben zwischen Stadtmensch und Stadttier. Der Hof könnte als Beispiel und Beratungsstützpunkt dienen.
Entsprechend sollte der neue Hof folgende Elemente beheimaten:
- Stall für Schafe und Ziegen
- Stroh- und Heulager
- Weidefläche mit Kletterelementen für Schafe und Ziegen
- Futterkammer (Vogelfutter, Wiederkäuerfutter, etc.)
- Taubenschlag für behinderte und nicht behinderte Tauben
- Wildtaubenvoliere
- Lachtaubenvoliere
- Raben- und Krähenvoliere
- Voliere für Elstern, Dohlen, Eichelhäher
- Hühnerstall
- „Kinderzimmer“ für Rabenvögel
- „Kinderzimmer“ für Tauben und kleine Wildvögel
- Station für verletzte Vögel
- Infektionsstation für Vögel mit mindestens 2 Kammern
- Karantänevolieren für die Erstunterbringung von Neuzugängen
- Fledermausstation
- Teich
- Seminar- bzw. Veranstaltungsraum/Gastraum mit Toilette
- Büroraum
- Küche/sanitäre Anlage für Tierpflege
- Küche, Aufenthaltsraum intern
- Dach- und Fassadenbepflanzungen, entsprechende Flächenbegrünung


