Tödliche Köder: Tauben in der Altstadt vergiftet
Düsseldorf (RP) In Innenhöfen zwischen Wohnhäusern hat ein Unbekannter Giftfutter gestreut. Nachbarn alarmierten Polizei und Ordnungsamt.
Doch die erklärten sich für nicht zuständig. Ein Tierschutzverein barg schließlich die verendeten Tiere.

Marco Fabrituis vom Verein Düsseldorfer Stadttiere barg die verendeten Tauben auf den Innenhofdächern. Foto: Christina Ledermann
Mitten im der Altstadt in Innenhöfen an der Mühlenstraße sind offensichtlich Tauben vergiftet worden. Nachbarn hatten beobachtet,
wie auf einem Flachdach zwischen Wohnungen direkt neben einer Dachterrasse kurz hintereinander Vögel verendeten. Sie verständigen die
Altstadtwache und das Ordnungsamt, doch weder Polizisten noch OSD-Mitarbeiter wurden tätig. Erst Mitarbeiter des Vereins Düsseldorfer
Stadttiere schafften nach einigen Tagen die Kadaver fort, wie jetzt bekannt gemacht wurde. "Das Vergiften von Tieren ist auf keinen Fall zu akzeptieren
und eine Straftat", sagt Klaus Meyer, stellvertretender Leiter des Amtes für Verbraucherschutz. Das Töten sei mit dem Tierschutz nicht vereinbar.
Zudem könne das ausgestreute Gift auch Menschen gefährden. In Düsseldorf seien bisher solche Aktionen glücklicherweise äußerst selten.
Im Mai hatte es Hinweise gegeben, dass ein Hund auf dem Fürstenplatz einen giftigen Köder gefressen haben könnte, vor zwei Jahren waren an der
Bahnunterführung Gerresheimer Straße ebenfalls Tauben vergiftet worden.
Behörden reagieren nicht
Trotz der Gefahren durch Gift haben sich die Behörden nicht bemüht,
den Fall in der Altstadt aufzuklären, berichten Anwohner, die das plötzliche Verenden der Tauben beobachtet hatten. Die Beamten der
Altstadtwache der Polizei hätten sich nicht für zuständig erklärt und an das städtische Ordnungsamt verwiesen.
Das habe nicht einschreiten wollen, weil die Tauben nicht auf der Straße, sondern auf einem Privatgrundstück liegen würden.
Erst nach weiteren Bitten der Anwohner, sich um die vergifteten Tiere zu kümmern, bekamen sie von der Stadt den Hinweis, dass der
Tierschutzverein Düsseldorfer Stadttiere vielleicht helfen könnte.
Walter Schäfer betreut den Taubenschlag am Rathaus. Foto: RP, Thomas Bußkamp
Der wurde sofort tätig. "Wir haben uns bei den Mietern gemeldet,
Zutritt zu dem Dach bekommen und die toten Tiere fortgeschafft", berichtet Anne Dolff, stellvertretende Vorsitzende des Vereins. Für Dolff ist die
Zurückhaltung der Behörden unverständlich. "Es liegt eine Straftat gegen das Tierschutzgesetz vor, und Giftreste können gefährlich sein",
sagt sie. Es müsse unmissverständlich klar gemacht werden, dass das Töten von Tauben nicht hingenommen werden darf, weil Tiere leiden.
Das sieht auch Meyer so: "Vergiften ist keine Lösung des Problems der vielen Stadttauben". Die Tiere müssten gezielt durch den Bau von
Taubenschlägen von der Straße geholt werden. Das zeige unter anderem der Taubenschlag im Rathaus. Aber der sei zu klein für das
gesamte Gebiet der Altstadt. Die Stadt setzt künftig auf den Erfolg eines Pilotprojekts, das zusammen mit der Berufsförderung der Renatec und dem
Verein Düsseldorfer Stadttiere gestartet wurde. Langzeitarbeitslose werden zu Betreuern von Taubenschlägen ausgebildet. Sie können dann
zusätzliche Schläge, die geplant sind, betreuen.
VON MICHAEL BROCKERHOFF 24.06.2009


